Freimaurerei heute

Der Freimaurerei wird eine jahrhundertealte Geschichte nachgesagt. Vieles davon ist Legende, Spekulation und Wunschdenken, wirklich belastbare Belege gibt es nur wenige. Überdies wissen wir nicht, ob die wenigen Belege und vagen Hinweise die Freimaurerei widerspiegeln, von der wir heute sprechen. Ebensowenig haltbar ist die Argumentation, die Freimaurerei sei in direkter Nachfolge der Dombauhütten entstanden. Jüngere Forschung geht, vereinfacht dargestellt, heute davon aus, dass die moderne Freimaurerei eine Art Abspaltung ist, die sich lediglich eine Zeitlang der Hülle und der Organisation der Bauhütten bedient hat.

Verbindlich ist nur das Jahr 1717, in dem sich mehrere existierende Logen in London zur ersten dokumentierten Großloge zusammengeschlossen haben. Zu dieser Zeit gab es insbesondere in England viele Organisationen, die eine gesellschaftliche und geistige Weiterentwicklung ihrer Mitglieder zum Ziel hatten. Die Bewegung der Freimaurer hat sich durchgesetzt und binnen weniger Jahrzehnte ein ungeheures weltweites Wachstum erfahren. In der Folge hat sich die Freimaurerei unterschiedlich entwickelt und sich unter den Umwelteinflüssen gewandelt. Es gibt daher „die“ Freimaurerei nicht: es gibt fortschrittliche Großlogen und Logen, es gibt traditionsbehaftete, antiklerikale wie christlich-religiöse und viele andere Ausprägungen. Die traditionell in der Freimaurerei gelebte Toleranz macht diese Unterschiede möglich und gleichzeitig Definitionen ausgesprochen schwierig.

Die humanitäre Freimaurerei unserer Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland versteht sich als eine humanitäre und im freimaurerischen Sinne moderne Ausrichtung, wenngleich auch in ihren Logen die unterschiedlichsten Facetten zu finden sind. Über das Selbstverständnis finden Sie mehr unter den Leitgedanken.

Steigendes Interesse an der humanitären Freimaurerei in Deutschland

Nach Jahren der Stagnation bemüht sich unsere Großloge um eine starke Öffentlichkeitsarbeit ohne Verlust der freimaurertypischen Diskretion. Als einzige Großloge kann sie seit einigen Jahren Wachstum und zunehmendes Interesse verzeichnen. Das Interesse an der Freimaurerei geht durch alle Altersgruppen, wobei erfreulich viele jüngere Männer zwischen zwanzig und vierzig Jahren an den Logentüren anklopfen. Lag bis vor zehn Jahren das Durchschnittsalter der Logen durchweg um die sechzig Jahre und darüber, können erste Logen zwischenzeitlich das statistische Mittel unter 50 Jahren verzeichnen.

In den Logen versammeln sich, den Alten Pflichten von 1723 entsprechend, Männer, „die sich im wahren Leben nie begegnet wären“. Traditionell werden in die Logen Männer der verschiedensten Altersgruppen, Gesellschaftsschichten, Parteien, Religionen und Herkünfte aufgenommen. Diese bunte Mischung von Menschen, häufig Individualisten, oft auch als „Gemeinschaft der Ungleichen“ bezeichnet, trifft sich über alle noch zum Teil außerhalb der Logen bestehenden Schranken hinweg und begegnet sich bewusst auf Augenhöhe. Interessanterweise profitieren alle Beteiligten davon, weil sie ihr Leben gezielter und bewusster gestalten können, sofern sie die vielfältigen Eindrücke auf sich wirken lassen.

Logen bieten Übungsstätte für neue Gedanken

Logen pflegen den Meinungs- und Gedankenaustausch, hier wird gerne und ergebnisoffen diskutiert, aber auch aktiv gehandelt. Die Basis für die zwischenmenschlichen Verhaltensweisen wird durch die monatlichen rituellen Handlungen gelegt, in denen die Bruderschaft als gelebter Engbund den Zusammenhalt und den Umgang miteinander und mit der Umwelt erlernen kann. Die besondere Methodik der Freimaurerei ermöglicht es, dass Handwerker und Hochschullehrer, Künstler, Beamte, Angestellte, Selbstständige aller Weltanschauungen gleichberechtigt und erfolgreich an gemeinsamen Aufgaben arbeiten können. Diese solidarische Kraft ermöglicht gut funktionierenden Logen in Geschichte und Gegenwart vergleichsweise große Aufgaben bewerkstelligen zu können.

Damit versteht sich eine Loge auch als Übungsstätte für jedes einzelne Mitglied: Was man in der Loge an Verhaltensmustern erprobt und erlernt hat, kann man auchaußerhalb der Loge umsetzen. Darin verstehen die Logen ihren gesellschaftlichen Erziehungsprozess: Sie verabschieden keine Resolutionen und delegieren deren Erledigung, sondern sie beginnen im Kleinen und als Einzelpersonen mit dem persönlichen Erkenntnisprozess und lassen die Umsetzung im Kleinen folgen. In der Summe können sich gleichwohl beachtliche Folgen ergeben.